13. Türchen

Hallöchen 🙂

Heute bin ich leider wieder etwas spät dran …

Da ich gerade nicht so viel Zeit habe (Prüfungsstress), habe ich heute einen Ausschnitt aus einer meiner Geschichten für euch. Ich hoffe, er kann euch ein bisschen unterhalten.
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Als Ausschnitt hat der Text keinen Titel, aber ich kann euch zumindest verraten, dass die Protagonistin Lucy heißt.

So absurd es auch sein mochte, aber mein Erzeuger hasste Unordnung. Alles musste chronologisch geordnet und es durfte kein Staubkörnchen zu sehen sein. Vor allem nicht auf seinen Büchern. Aber selbst putzen, kam für ihn natürlich nicht in Frage. Immerhin war er der Herrscher über die Unterwelt. Die “Hölle”.
Auch an diesem tristen Tag, war ich wieder einmal dabei seinen Müll wegzuräumen (es wäre ja zu einfach, es selbst in den Mülleiner zu werfen) und Staub zu wischen. Eigentlich machte ich das jeden Tag von selbst, ohne dass mir immer etwas gesagt werden musste, aber ich hatte sonst auch nicht wirklich etwas zu tun. Es war ziemlich langweilig den ganzen Tag in einem Haus unter der Erde eingesperrt zu sein, gerade auch deshalb, weil es nirgendwo Fenster gab. Also das heißt, es gab schon Fenster, nur zeigten die bloß auf nackten Fels, der rötlich schimmerte. Ihr glaubt gar nicht, wie öde es sein konnte, Felsen anzustarren.
Aber er, ich weigere mich, ihn Vater oder Papa zu nennen, ließ mich ja nicht aus dem Haus. Er hatte überall treu ergebene Diener von sich positioniert, die mich bewachen und wohl oder übel auch beschützen sollten, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wovor. Es kam ja nie jemand zu Besuch. Zumindest nicht, wenn ich wach war.
“Darling”, erschrocken zuckte ich zusammen. Ich hasste es, wenn er mich so nannte. Ich war von niemandem der Darling! Und warum musste er sich auch immer so anschleichen? Und seine Stimme, egal, wie leise er flüsterte, für mich war es immer schrecklich laut und ich bekam Kopfschmerzen. So auch jetzt. “Könntest du bitte die Bücher hier nach dem Alphabet ordnen? Ich habe auch einige neue mitgebracht.”
Ich schnaufte. War ja klar, dass das wieder an mir hängen blieb. Aber immerhin war Bücher sortieren interessant. Manchmal vergaß er Zettel aus ihnen herauszunehmen, und so erfuhr ich zumindest ein bisschen was von der Mittelwelt. Auch einige Bücher waren ziemlich spannend und ich hatte in dem einen und anderen ein Lieblingsbuch entdeckt. Meist erzählten die Bücher von einer Welt, die ich wahrscheinlich nie kennenlernen würde, weil ich hier UNTEN festgehalten wurde, aber manchmal zeigten sie mir eine Welt, in die ich mich hineinträumen konnte, ohne jemals wieder aufwachen zu wollen, weil es dort so schön war. All das: WÖRTER, faszinierte mich. Man konnte mit ihnen alle Emotionen hervorrufen und sich selbst in eine eigens geschaffene Welt versetzen.
“Klar”, antwortete ich auf seine Frage und drehte ihm den Rücken zu. Obwohl er ausnahmsweise sogar menschlich aussah. Ohne seine hässlichen Warzen. Aber das machte ihn nicht zu einem besseren Wesen, als er es war. Und er war ein abscheuliches Monster, dass sich hinter einer hübschen Maske verbarg.
Jedoch war ich jetzt sechzehn Jahre alt und je älter ich wurde, desto eher verstand ich, weshalb meine Mutter sich in ihn verliebt hatte und mit ihm hier her gezogen war. Er hatte schon die eine oder andere charmante Seite an sich, aber meistens auch nur, wenn er etwas wollte. Im Prinzip war er ein viel zu groß geratenes Kleinkind, dass trotzig mit seinem Fuß aufstampfte, wenn es seinen Willen nicht bekam. Gerade, wenn ich mir diese Seite von ihm präsent machte, konnte und wollte ich nicht nachvollziehen, warum man für so ein Scheusal sein ganzes Leben aufgab. Denn nichts anderes hatte meine Mutter getan.
Ich spürte einen kühlen Luftzug und die Luft in Luzifers Büro wurde wieder erträglicher. Unwillkürlich seufzte ich auf und räusperte mich. Keine Ahnung, wie ich es früher fertig gebracht hatte, ohne Schwierigkeiten so lange mit ihm in einem Raum zu sein und Gespräche mit ihm zu führen. Als ich noch kleiner war, hatte er sich sogar ab und zu Zeit genommen, um mir etwas vorzulesen …
Angewidert von mir selbst schüttelte ich den Kopf. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich hatte ihm vertraut. Mama hatte ihm vertraut – und er hatte meine Mutter kaltblütig umgebracht. Zugegebener Maßen, er wusste nicht, dass ich ihn beobachtete, aber wie konnte jemand, oder etwas, nur so grausam sein? Er hatte sie ohne mit der Wimper zu zucken in einen der vielen Magmaseen geschubst. OHNE mit der Wimper zu ZUCKEN. Einfach so. Eiskalt.
Mittlerweile war dieser VORFALL drei Jahre her, aber ich war nicht im Stande, ihm diese Tat zu verzeihen. Wahrscheinlich werde ich es auch nie tun.

 

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