3. Türchen

Hallöchen! 🙂

Tut mir echt leid, dass es derzeit irgendwie jeden Tag später wird, aber ich komme über den Tag einfach nicht dazu.

Heute musste ich wirklich ein bisschen überlegen, was ich mit euch teilen könnte, aber mir ist zum Glück die „rettende“ Idee gekommen. Die heutige Geschichte ist schon ein paar Jährchen alt, ich habe sie geschrieben als ich 15 oder 16 war, aber eigentlich mag ich sie ganz gerne.

In der Hoffnung, dass sie euch ebenfalls ein bisschen gefällt:

Der Wunschbrunnen

Ich bin schon viel herum gekommen in der Welt. Überall war ich schon einmal. Manchmal etwas länger und manchmal nur für ein paar Stunden. Aber ich war dort. Vielen verschiedenen Persönlichkeiten bin ich begegnet, jedoch habe ich keinen zweimal gesehen.
In der Regel verbrachte ich mein ganzes Leben in einer kleinen Ledertasche. Eingesperrt. Aber ich bekam alles mit, was um mich herum geschah. In den meisten dieser kleinen Taschen waren kleine Löcher, durch die ich die Welt mit eigenen Augen betrachten konnte, immer mit dem leicht kupferfarbenen Schleier, der einzig und allein meiner Art vorbehalten war.
Manchmal jedoch wurde ich in einen kleinen, dunklen Behälter gesperrt, in den ab und zu weitere meiner Brüder und Schwestern wanderten, mich und andere verdeckten und uns kaum Platz zum Atmen ließen. Wenn wir fast erstickt waren, wurde das Behältnis geöffnet und wir breiteten uns aus über dem Raum, auf den man uns schüttete. Dann wechselte ich meist den Besitzer und landete wieder in einer kleinen Tasche. Oder in einem noch viel weniger angenehmen Ort. Mit vielen meiner Verwandten. Dort war es kaum auszuhalten, auch wenn wir uns austauschten und viel übereinander lernten. Zum Beispiel erfuhr ich, dass unsere Vettern, die sehr dünn und flach gebaut waren, viel mehr wert waren als ich, wo ich doch klein und rund war.
Was ich nie richtig erfuhr war das Gefühl, das andere daheim sein nannten. Dazu wurde ich zu oft herumgereicht, verliehen, vertauscht, verloren, gelagert oder vergessen.
Nun war ich schon seit geraumer Zeit in einer besonders schäbigen kleinen Hülle gefangen, konnte jedoch durch sehr viele Löcher heraus schauen, musste allerdings aufpassen, nicht verloren zu gehen. Denn eigentlich war es ganz gemütlich dort. Wir waren nur zu fünft und hatten massig Platz, um uns herumschleudern zu lassen. Ach, war das ein Spaß! Ich hatte lange nicht mehr so viel gelacht.
Dann auf einmal wurden wir geblendet. Feine Sonnenstrahlen strömten zu uns herunter, denn das kleine Lederetui wurde geöffnet und zwei kleine Finger fischten in ihm herum, bis sie mich zu fassen bekamen. Sie holten mich heraus und wogen mich einige Minuten lang in der Hand. Ganz automatisch fing ich an, die Wärme meiner Umgebung anzunehmen. Mir wurde warm.
„Mama, glaubst du mein Wunsch geht in Erfüllung?“
„Wenn du ganz fest daran glaubst, mein Schatz.“
Ich begriff nicht, was das mit mir zu tun haben sollte, bis ich merkte, wie sich die Hand öffnete und ich heraus fiel. Immer weiter und tiefer, schneller. Alles rauschte in einem verschwommenen kupferfarbenen Schleier an mir vorbei. Dabei sah ich nur die immer dunkler werdenden Wände um mich herum. Unter mir schimmerte etwas auf und kurz darauf prallte ich gegen etwas, das sofort nachgab und mich mit feuchten Armen empfing. Ich drehte mich langsamer und auf dem Rücken liegend, entdeckte ich über mir einen Lichtschimmer, bleiern, eingefangen durch das Wasser, in dem ich trieb, trübe und träge, als wolle ich schlafen. Und als ich neben meinen vielen Verwandten aufkam, hatte ich das erste Mal das Gefühl, nachdem ich immer gesucht hatte. Ich die kleine Cent-Münze. Ich war endlich zu Hause angekommen.

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PS.: Bis morgen!

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2 Gedanken zu “3. Türchen

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